BrockenHarz

1.141 m ü. NHN

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Sage & Literatur

Blocksberg und Walpurgisnacht: der Brocken in Sage und Literatur

Der Brocken trägt zwei Namen. Der eine steht in der Karte, der andere in den Sagen. Wo ist der Blocksberg, wie kam die Walpurgisnacht auf diesen Berg, und was hat Goethe damit zu tun.

  • Walpurgisnacht

    30. April

    Nacht zum 1. Mai

  • Goethe am Gipfel

    1777

    erster Aufstieg

  • Faust I

    1808

    Walpurgisnacht-Szene

  • Heines Harzreise

    1824

    Aufstieg ab Ilsenburg


Wo ist der Blocksberg? Es ist derselbe Berg

Wo ist der Blocksberg? Die Antwort ist einfacher, als die Frage klingt: Blocksberg ist der Sagenname des Brockens. Es gibt keinen zweiten Berg dieses Namens im Harz, und es gibt keine Stelle, an der der eine endet und der andere beginnt. Wer auf dem Gipfelplateau auf 1.141 Metern steht, steht auf beiden.

Der Name selbst ist älter als seine berühmteste Verwendung. Er dürfte auf die Blockhalden zurückgehen, die überall auf der Kuppe liegen: große, rundgewitterte Granitblöcke, die dem Berg sein Gesicht geben. Aus derselben Wurzel stammen Flurnamen wie Hexenaltar und Teufelskanzel, zwei Felsformationen, die heute vom Rundweg aus zu sehen sind.

Verwirrung entsteht, weil der Begriff Blocksberg in der Literatur zeitweise als Gattungsbegriff für Hexenberge überhaupt benutzt wurde. Regional gibt es deshalb mehrere kleine Blocksberge. Der Blocksberg der Sage aber ist der Brocken.

Die Walpurgisnacht und wie sie auf den Brocken kam

Die Walpurgisnacht ist die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Ihr Name geht auf die heilige Walburga zurück, deren Gedenktag am 1. Mai liegt. Ursprünglich war es ein Termin im Kirchenkalender; die Verbindung zu Hexen entstand erst später.

Seit dem späten Mittelalter gilt der Brocken in den Überlieferungen als Versammlungsort für Hexen in dieser Nacht. Die Vorstellung entstand in der Zeit der Hexenverfolgung und diente auch dazu, ältere Frühlingsbräuche zu diskreditieren. Die Kombination war günstig: ein hoher, freistehender Berg, der an rund 300 Tagen im Jahr in Wolken liegt, mit Felsformationen, die aus dem Nebel wie Gestalten auftauchen.

Bis heute wird die Walpurgisnacht in vielen Harzorten gefeiert, unter anderem in Schierke, Thale und Braunlage. Auf dem Gipfel selbst ist die Nacht wegen des Nationalparks und der Sicherheitslage kein Veranstaltungsort; wer den Brauch erleben will, geht ins Tal.

Übereinanderliegende flache Granitplatten wie ein Tisch auf einem kahlen Plateau
Formationen wie diese trugen Namen aus der Sagenwelt, Hexenaltar und Teufelskanzel. Aus dem Nebel treten sie als Gestalten hervor, und genau daraus lebt die Überlieferung.

Goethes Faust und die Harzreise Heines

Johann Wolfgang von Goethe bestieg den Brocken erstmals im Dezember 1777, geführt von einem Förster, und kam mehrfach zurück. Die Nüchternheit seiner Aufzeichnungen steht in seltsamem Kontrast zu dem, was er später daraus machte: In der Walpurgisnacht-Szene des Faust I, veröffentlicht 1808, führt er Faust und Mephisto auf diesen Berg und in eine Versammlung von Hexen und Geistern.

Erst dieser Text hat den Blocksberg über die Region hinaus bekannt gemacht. Was vorher eine lokale Überlieferung war, wurde zum Bestandteil des deutschen Bildungskanons. Der heutige Goetheweg vom Torfhaus trägt seinen Namen, folgt aber nicht seiner Route.

Ein halbes Jahrhundert später kam Heinrich Heine. Er stieg 1824 von Ilsenburg auf und beschrieb den Weg und die Gesellschaft auf dem Gipfel in der Harzreise mit deutlich mehr Ironie als Ehrfurcht. Der Heinrich-Heine-Weg folgt heute ungefähr seiner Strecke durch das Ilsetal.

Das Brockengespenst: die Sage hat einen physikalischen Kern

Eine der Erscheinungen, die zum Ruf des Berges beigetragen haben, lässt sich vollständig erklären. Das Brockengespenst entsteht, wenn die Sonne tief steht und der Betrachter mit dem Rücken zu ihr auf einer Nebelbank blickt. Der eigene Schatten wird auf die Wolken projiziert und erscheint riesig, weil das Auge keine Entfernung schätzen kann. Bewegt sich der Beobachter, bewegt sich die Gestalt mit.

Häufig zeigt sich dabei zusätzlich ein farbiger Ring um den Schattenkopf, die Glorie. Sie entsteht durch Beugung des Lichts an den Nebeltröpfchen. Das Phänomen ist nicht auf den Brocken beschränkt und tritt an jedem Berg mit passender Nebellage auf, hat aber hier seinen Namen bekommen.

Das ist der Reiz dieses Gipfels: Der Nebel, der die Aussicht nimmt, ist derselbe Nebel, aus dem die Sagen entstanden sind. Wer im Grauen oben steht und nichts sieht, erlebt genau die Bedingungen, unter denen sich Generationen die Hexenversammlung vorgestellt haben.

Häufige Fragen

Wo ist der Blocksberg?

Blocksberg ist der Sagenname des Brockens im Harz. Es handelt sich um denselben Berg, 1.141 Meter hoch, im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.

Wann ist die Walpurgisnacht?

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Der Name geht auf die heilige Walburga zurück, deren Gedenktag am 1. Mai liegt.

Warum gilt der Brocken als Hexenberg?

Seit dem späten Mittelalter nennen Überlieferungen ihn als Versammlungsort von Hexen in der Walpurgisnacht. Ein hoher, freistehender Gipfel, der an rund 300 Tagen im Jahr in Wolken liegt, und Felsformationen wie Hexenaltar und Teufelskanzel haben diese Vorstellung getragen.

Was hat Goethe mit dem Brocken zu tun?

Goethe bestieg den Berg erstmals im Dezember 1777 und verarbeitete die Sage 1808 in der Walpurgisnacht-Szene des Faust I. Erst dadurch wurde der Blocksberg überregional bekannt.

Was ist das Brockengespenst?

Der eigene, auf eine Nebelbank projizierte Schatten bei tief stehender Sonne. Er erscheint riesig, weil das Auge die Entfernung nicht schätzen kann, und wird oft von einem farbigen Ring, der Glorie, begleitet.

Der Berg in der Literatur

  1. 1777Goethe steigt aufIm Dezember, geführt von einem Förster. Er kommt mehrfach zurück.
  2. 1808Faust I erscheintDie Walpurgisnacht-Szene führt Faust und Mephisto auf diesen Berg.
  3. 1824Heine geht ab IlsenburgBeschrieben in der Harzreise, mit mehr Ironie als Ehrfurcht.
  4. 1899Die Bahn erreicht den GipfelDer Sagenberg wird ein Ausflugsziel für jeden.

Der heutige Goetheweg und der Heinrich-Heine-Weg tragen die Namen der beiden Besucher, folgen aber nicht genau ihren Routen.