BrockenHarz

1.141 m ü. NHN

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Flora, Fauna & Gestein

Natur am Brocken: über der Baumgrenze zwischen Heide und Granit

Der Brocken ist der einzige Gipfel im Harz, der über der Baumgrenze liegt. Was dort wächst, findet sich sonst erst in den Alpen oder weit im Norden Skandinaviens.

  • Baumgrenze

    ≈ 1.100m

    Fichtenwald endet

  • Brockengarten

    1890

    erster Alpengarten

  • Pflanzenarten

    ≈ 1.500

    im Garten

  • Granit

    293Mio. Jahre

    Brockengranit


Wo der Wald endet und die Kuppe beginnt

Ab etwa 1.100 Metern endet am Brocken der geschlossene Fichtenwald. Was folgt, ist keine Felswüste, sondern eine offene, dicht bewachsene Kuppe: Zwergstrauchheide aus Heidekraut und Rauschbeere, Bergwiesen mit Borstgras und dazwischen freiliegende Granitblöcke. Diese Grenze ist der Grund, warum die Natur am Brocken sich von jedem anderen Harzgipfel unterscheidet.

Verantwortlich ist nicht die Höhe allein, sondern das Klima. Der Berg steht frei im norddeutschen Flachland, trägt an rund 300 Tagen im Jahr Nebel, hat ein Jahresmittel unter vier Grad und im Jahresmittel rund 42 Kilometer pro Stunde Wind. Unter diesen Bedingungen kommt keine Fichte mehr hoch. Am oberen Waldrand stehen deshalb nur noch niedrige, windgeformte Einzelbäume, sogenannte Krummholzformen.

Die Blockhalden zwischen der Vegetation sind Reste des Brockengranits. Nach Datierung an Zirkonen ist das Gestein rund 293 Millionen Jahre alt; es drang damals als Schmelze in karbonische Grauwacke ein und erstarrte in der Tiefe. Was heute obenliegt, ist der abgetragene Kern eines viel größeren Körpers.

Vegetationsstufen am Brocken

  • Kuppe und Blockhalde1.100 bis 1.141 mZwergstrauchheide, Bergwiesen, offener Granit
  • Krummholz1.000 bis 1.100 mniedrige, windgeformte Einzelfichten
  • Bergfichtenwald700 bis 1.000 mgeschlossen, in Teilen durch Borkenkäfer aufgelöst
  • Montaner Mischwald400 bis 700 mFichte, Buche, Birke, Vogelbeere

Der Brocken ist der einzige Gipfel im Harz, der die Baumgrenze überschreitet.

Pflanzen, die es nur hier gibt

Die bekannteste Art der Brockenkuppe ist die Brockenanemone, eine Unterart des Alpen-Windröschens. Sie blüht im Frühsommer weiß bis zartviolett und kommt in Deutschland nur hier vor. Dazu gehören das Brocken-Habichtskraut, die Brockenblume und mehrere Moose und Flechten, die auf den Granitblöcken Krusten bilden.

Der Bestand ist empfindlich. Die Flächen erholen sich nach Betreten nur über Jahre, weil die Wachstumsperiode auf der Kuppe kurz ist. Deshalb ist der Rundweg auf dem Gipfel befestigt und darf nicht verlassen werden. Wer Fotos machen will, bekommt sie vom Weg aus.

Neben der wilden Vegetation liegt auf dem Plateau eine angelegte Fläche: der Brockengarten. Der Göttinger Botaniker Albert Peter richtete ihn 1890 als ersten Alpengarten Deutschlands ein, zu Forschungs- und Lehrzwecken. Heute wachsen dort rund 1.500 Pflanzenarten aus Hochgebirgen aller Kontinente. Der Garten ist in der Saison im Rahmen von Führungen zugänglich.

Nahaufnahme weißer, zart violett getönter Blüten auf kurzen behaarten Stielen zwischen Granit
Die Brockenanemone, eine Unterart des Alpen-Windröschens, kommt in Deutschland nur auf dieser Kuppe vor. Sie erholt sich nach Betreten erst über Jahre.

Tiere auf der Kuppe und im Bergwald

Die offene Kuppe ist kein Lebensraum für große Tiere, aber ein Rastplatz für Vögel. Wiesenpieper und Bergpieper brüten in der Heide, im Zug ziehen Ringdrosseln und Steinschmätzer durch. Im Bergfichtenwald darunter leben Sperlingskauz und Dreizehenspecht, dazu Rothirsch und Wildkatze.

Ein Bewohner ist überall zu hören: der Kolkrabe. Auf einem Berg, um den sich Hexensagen ranken, wirkt sein Ruf im Nebel wie eine Regieanweisung, aber der Vogel ist einfach hier zu Hause.

Der auffälligste Prozess im Wald selbst ist kein Tier, sondern die Borkenkäferentwicklung. Große Flächen der Fichtenmonokulturen unterhalb des Gipfels sind abgestorben. Im Nationalpark bleibt das Totholz bewusst stehen: Auf den freigewordenen Flächen kommt eine natürlichere Mischung aus Fichte, Birke, Vogelbeere und Weide auf. Wer die Natur am Brocken heute sieht, sieht einen Waldumbau im Gang.

Nationalpark Harz: was gilt und warum

Der Brocken liegt im Nationalpark Harz, der 2006 aus zwei getrennten Parks in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zusammengelegt wurde und seither gemeinsam verwaltet wird. Der größte Teil der Fläche ist als Naturzone ausgewiesen, in der die Entwicklung ohne Eingriff verläuft.

Für Besucher folgen daraus wenige, aber klare Regeln: auf den markierten Wegen bleiben, Hunde anleinen, nicht zelten und kein Feuer machen, Pflanzen und Gestein an ihrem Platz lassen. Drohnen sind nicht erlaubt. Diese Regeln sind kein Selbstzweck: Auf einer Fläche mit dieser kurzen Vegetationsperiode ist jeder Trampelpfad jahrelang sichtbar.

Die Nationalparkverwaltung betreibt auf dem Gipfel das Brockenhaus mit einer Ausstellung zur Natur- und Zeitgeschichte des Berges. Wer bei Nebel oben ankommt und nichts sieht, hat dort die sinnvollste Alternative.

Häufige Fragen

Warum wächst auf dem Brocken kein Wald?

Ab etwa 1.100 Metern reichen Kälte, Nässe und Wind nicht mehr für geschlossenen Fichtenwald. Der Berg steht frei im norddeutschen Flachland, trägt an rund 300 Tagen Nebel und hat im Jahresmittel rund 42 Kilometer pro Stunde Wind.

Welche Pflanzen gibt es nur auf dem Brocken?

Die Brockenanemone, eine Unterart des Alpen-Windröschens, kommt in Deutschland nur hier vor. Dazu gehören unter anderem das Brocken-Habichtskraut und die Brockenblume.

Was ist der Brockengarten?

Ein Alpengarten auf dem Gipfelplateau, 1890 vom Botaniker Albert Peter als erster seiner Art in Deutschland angelegt. Er zeigt heute rund 1.500 Pflanzenarten aus Hochgebirgen aller Kontinente und ist in der Saison über Führungen zugänglich.

Darf man auf dem Brocken die Wege verlassen?

Nein. Der Gipfel liegt im Nationalpark Harz, der Rundweg auf dem Plateau ist befestigt und darf nicht verlassen werden. Die Heide- und Bergwiesenflächen erholen sich nach Betreten erst über Jahre.

Warum sind so viele Fichten am Brocken abgestorben?

Trockene Jahre und Borkenkäfer haben große Flächen der Fichtenbestände zum Absterben gebracht. Im Nationalpark bleibt das Totholz stehen, damit auf den offenen Flächen eine natürlichere Mischung aus Fichte, Birke, Vogelbeere und Weide aufwächst.